Übersicht: Navigation | Inhalt

Auf Verdens Straßen bot sich ein buntes Bild

Farbige "Schülermützen" verrieten Schule und Klasse

Auf alten Fotos sind die Schüler des Domgymnasiums oft mit Kopfbedeckung zu sehen. Dieses Tragen von "Schülermützen" ist wahrscheinlich vom Brauchtum der Burschenschaften im 19. Jahrhundert abgeleitet. In Verden wurde erstmals 1862 über die Zurschaustellung der verschiedenen farblichen Kopfbedeckungen der einzelnen Klassen berichtet.

Die Farbe der Mützen und der Streifen am unteren Mützenrand bildeten die "Klassenfarbe", die sich auf der Klassenfahne und zwei Schärpen der Fahnenbegleiter wiederfanden. Bei Feierlichkeiten, Sportfesten und Ausflügen waren die Klassenfahnen stets dabei. Der ehemalige stellvertretende Direktor Wilhelm Meineke hat in der Festschrift "400 Jahre Domgymnasium zu Verden" den Gebrauch von Klassenfarben in Erinnerung gehalten (siehe Kasten). Abiturienten trugen bis zum Studienbeginn ein "M" für mulus (Maulesel) in Schwarz auf der weißen Mütze, und der Kreis der "Einjährigen" (Militärfreiwillige in Friedenszeit) trug ein "E" in Weiß auf der Mütze. Da auch die Schülerinnen des Lyzeums ebenso wie die Mittelschüler, die Schüler der Präperandenanstalt (hier wurden Volksschullehrer ausgebildet) und der Landwirtschaftsschule ebenfalls Mützen trugen, bot sich auf den Straßen beim Bummel und auf der Domweih ein buntes Bild. Prof. Dr. Josef Gerken machte zu Beginn des Ersten Weltkrieges sein Abitur am Domgymnasium und schrieb in seinen Erinnerungen: "Ohne Schülermützen auf dem Kopf durften wir das Haus nicht verlassen beziehungsweise uns nicht in den Straßen sehen lassen, damit wir stets als Schüler des Domgymnasiums zu erkennen waren." Als 1933 die Staatsjugend mit der schwarzen Schirmmütze ausgestattet wurde, war das vielfältige Bild verschwunden.

Jürgen Siemers