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Ein Leben nach dem Glockenschlag

Die Schulglocke rief die Verdener zum Unterricht - heute klingt sie bis Hoya und Fischerhude

Manchmal reicht das Einzugsgebiet des Gymnasiums bis nach Osteuropa und Südamerika. Anna Dudzicz aus Polen (links) und Lorena Aguinaga aus Ecuador waren 2001 als Austauschschülerinnen in Verden zu Gast.

Manchmal reicht das Einzugsgebiet des Gymnasiums bis nach Osteuropa und Südamerika. Anna Dudzicz aus Polen (links) und Lorena Aguinaga aus Ecuador waren 2001 als Austauschschülerinnen in Verden zu Gast.

Früher mussten die Schüler der Domschule im unmittelbaren Einzugsbereich wohnen, das heißt innerhalb des Radius der Hörbarkeit der Schulglocke. Zahlreiche Häuser, zum Beispiel in der Eitzer Straße oder im Rosenweg, lassen noch durch ihre Anbauten erkennen, dass darin früher Schüler in so genannten Schülerwohnheimen gelebt haben. Mit der Beherbergung hielten sich vielfach Witwen verstorbener Kaufleute über Wasser.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts mahnte die Schulglocke morgens zum Aufstehen und rief zum Schulgang. Nach Unterrichtsschluss läutete sie um 14 Uhr die "Silentiumzeit" ein, während der sich die Schüler für eine knappe Stunde erholen konnten, um dann die von den Professoren überprüfte Studierzeit daheim in Angriff zu nehmen. Danach war dann für eine Stunde "Freigangzeit". Die Schulglocke läutete dann die Abendessenszeit ein. Danach widmeten sich die Schüler den Vorbereitungen für die Nachtruhe. Aus diesem System auszubrechen war schwierig, denn es bestand die Pflicht, sich als Schüler entsprechend zu kleiden und außer Haus die Schulmütze zu tragen. So konnte jeder Bürger sofort feststellen, wenn ihm das Verhalten eines jungen Menschen missfiel, ob dieser erstens Schüler war und zweitens in welchem Jahrgang.

Die Schulglocke gibt es zwar noch, aber sie ertönt heute nur noch selten. Dafür dürfen mittlerweile die Schüler im Sekundarbereich I (7. bis 10. Klasse) laut Beschluss des Kreistages praktisch aus dem gesamten Landkreis die Schule besuchen - mit Ausnahme des Stadtgebietes Achim.

Gemäß dem niedersächsischen Schulgesetz können die Schüler mit dem Wechsel von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II (gymnasiale Oberstufe) sich bei einem Gymnasium ihrer Wahl anmelden. Das hat beim Domgymnasium in den vergangenen beiden Jahrzehnten dazu geführt, dass die Schule in zunehmendem Maße attraktiv wurde für jene Absolventen der Realschulen und auch des Gymnasiums im Sekundarbereich I (Hoya), die ihre schulische Ausbildung.

In jedem Jahr werden daher nach Klasse 10 neue Schüler aufgenommen. Das hat noch einen weiteren Grund: Das Domgymnasium bietet Leistungskurse an, die an vielen anderen Gymnasien in Niedersachsen längst gestrichen sind - Latein, Musik, Chemie, Erdkunde usw.