Eine Villa ohne stilles Örtchen
1882 wurde an der Grünen Straße das Direktorenhaus errichtet - ohne Toilette
In der am 29. März 1578 ausgestellten Urkunde hatte Bischof von Holle auch angeordnet: "...und dazu das Alte Schlafhauß beym Thum zur Schul bequemlich erbauen zu laßen... soll dem Rectori frye bequeme Behausung gegeben und verschaffet werden..." Und das galt auch für die anderen drei Lehrkräfte.
Eine wechselvolle Geschichte hat das Direktorenhaus des Domgymnasiums erlebt. Hier wurden, neben dem Leiter der Schule, zeitweise Kriegsflüchtlinge untergebracht und Schüler unterrichtet.
Im Bereich des ehemaligen Dormitoriums am Lugenstein, dem Schlafsaal der Kleriker, waren neben den vier Klassenräumen auch die Wohnräume für den Rektor gebaut worden. Die Lehrkräfte wohnten über dem nördlichen Kreuzgang. Die Rektorenwohnung wurde mit mehreren Um- und Verbesserungsbauten bis 1882 beibehalten, obwohl die Schule bereits 1872 in den Neubau umgezogen war.
Das Fehlen einer direkten Aufsicht machte sich in der Schule bemerkbar. Außerdem entsprach die alte Dienstwohnung am Lugenstein nicht mehr den Wohnverhältnissen des 19. Jahrhundert. Um den Direktor wieder mit der Schule zu vereinen, wurde am Rande des Schulhofes an der Grünen Straße das "Direktorenhaus" errichtet und 1882 bezogen. In diesem Haus wohnten auch einige ledige Lehrer.
Beim Bau wurden - aus Vergesslichkeit oder Absicht - keine Toiletten eingebaut. Der Direktor und seine Familie sowie die anderen Bewohner mussten die Schultoilette benutzen, die damals in einem Häuschen hinter der Westseite der Schule untergebracht war. Dieser "Notstand" wurde später durch Umbauten beseitigt.
In den Jahren um 1945 wurden zeitweise Vertriebene ins Direktorenhaus eingewiesen. Wegen der stark angewachsenen Schülerzahlen mussten auch Klassenräume dorthin gelegt werden. Hauptsächlich geschah dies aber erst, nachdem das Haus nicht mehr als Wohnung genutzt wurde. Für die Direktoren des Domgymnasiums wurde 1960 die neue Dienstwohnung in der Bürgermeister-Urban-Straße eingerichtet, die es aber seit Mitte der 70er Jahre auch nicht mehr gibt.
Durch An- und Erweiterungsbauten am Domgymnasium konnten bis 1980 alle schulischen Räumlichkeiten unter einem Dach vereint werden. Damit war das Direktorenhaus überflüssig. Die fast 100 Jahre alte Bausubstanz hatte sehr gelitten, und im Sommer 1980 wurde das Haus Grüne Straße 34 abgerissen.