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Seit 68 Jahren rudern Gymnasiasten aus Verden erfolgreich

Domschüler lösten 1934 den eigenen Turnverein auf und gründeten eine selbstständige Ruderriege

Was sich in der zweiten Junihälfte des Jahres 1934 im "Gasthaus Hesse" in Odeweg zutrug, war der Beginn einer sportlichen Entwicklung, die seit dieser Zeit kontinuierlich nach oben gerichtet war. Das erscheint umso paradoxer, als es sich zunächst um die Auflösungsversammlung des 76 Jahre alten gymnasialen Turnvereins auf "Anraten" der nationalsozialistischen Machthaber gehandelt hat.

Kluge Schüler widersetzten sich dieser Anordnung allerdings und erhielten sogar von den Politikern ihren Segen; denn diese genehmigten die Neugründung der Ruderriege am Domgymnasium. Der bisherige Turner-Vorstand mit den Domschülern Helmut Firnhaber, Erich Bühning und Karl-Heinz Höltje tauschte lediglich die Rollen und ermöglichte damit eine Ära sportlicher Erfolge für viele hundert nachfolgende Schüler und Schülerinnen.

Während der Anfangsjahre wurde der Ruderbetrieb ausschließlich von den Schülern in Abstimmung mit dem damaligen Schulleiter Wütter Brandt aufrecht erhalten. Immerhin hatten sie ihr Vereinsvermögen in Form von Turngeräten der Schule übereignet, die im Gegenzug die ersten Boote "Kilometerfresser", "Argo" und "Windsbraut" anschaffte. Die damals 16 Mitglieder hätten dieses mit einem monatlichen Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennig auch nicht finanzieren können. Gern erinnert man sich an die erste große Wanderfahrt von Kassel nach Verden, wobei der Bootstransport per Schiff schwieriger war als heute und auch die Teilnehmer mit dem Fahrrad nach Kassel fuhren.

Regatten durften damals nur die 18-Jährigen fahren. Der einzige, der die Konkurrenz mit Sondergenehmigung ab 16 beherrschte, war Erich Bühning.

1959 wurde der Ruderriege vom Landkreis Verden ein neues Bootshaus an der Aller gebaut, ein Riesenfortschritt nach dem für diese Zwecke umgebauten ehemaligen Toilettenhäuschen. In dieser Phase engagierten sich auch die ersten Lehrer im Ruderbetrieb. In den 50er bis 70er Jahren waren dieses unter den Schulleitern Dr. Oldecop und Doß die Studienräte Christoph, Merkel und Goy, deren Schülerinnen und Schüler bei regionalen und überregionalen Regatten gegen Schulen aus Bremen, Hamburg und Nienburg oft siegreich waren. Parallel wurde aber auch der Breitensport durch Wanderrudern gefördert. Dies geschah unter anderem in Form einer guten Zusammenarbeit mit dem Verdener Ruderverein.

Nach einer stilleren Phase wurde in den 70ern das Wettkampftraining viele Jahre lang von Oberstudienrat Peter Gregor vom Gymnasium am Wall geleitet, der an die Erfolge seiner Kollegen anknüpfen konnte. Nachdem der Schülerruderverband die Regeln bezüglich Schüler-Renngemeinschaften geändert hatte, kam das Rudern am Domgymnasium für kurze Zeit fast zum Stillstand und wurde ab 1983 vom jetzigen Studiendirektor Ralph Gronki unter der Schirmherrschaft des heutigen Schulleiters Dr. Clemens-August Borgerding wiederbelebt.

Seit diesem Neubeginn riss die Erfolgsgeschichte nicht mehr ab. Viele junge Ruderschüler wurden motiviert, dem Rudersport auch nach dem Abitur treu zu bleiben. Deutsche Meisterschaften wurden mehrfach in den unterschiedlichen Leistungsklassen von den Schülern Hamelmann, Stöbener und Schröder errudert, das schwierige Finale im Wettbewerb "Jugend Trainiert Olympia" im Vierer mit einem fünften Platz in Berlin erfolgreich bestritten. Ein Achter, nur mit Domgymnasiasten besetzt, bewährte sich beim Jubiläumswettbewerb in Hamburg für das Land Niedersachsen gegen die bundesdeutschen Eliteboote.

Mit Stefan Jackobs errang sogar ein ehemaliger Domruderschüler im Leichtgewichtsachter eine Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften. In der neuen Winter-Disziplin Ergometerrudern gelangen Thomas Schröder bei einem Wettbewerb gleich drei Ausdauerweltrekorde. Inzwischen hat sich das Rudern als Neigungs- und Fördergruppe sowie im Rahmen der Ruderkurse der gymnasialen Oberstufe etabliert. Im Bootshaus, dessen Fläche sich 1980 sowie 1988 verdoppelte, nehmen in jedem Jahr 130 Schülerinnen und Schüler an den unterschiedlichen Angeboten teil. Ruderaktivitäten, die früher mit zwei Vierern gestaltet wurden, werden heute von bis zu 80 Teilnehmern aktiv gestaltet. Inzwischen arbeiten mit den Studienräten Joachim Scholvin, Peter Heilen, Stefanie Wichtmann sowie Sabine Boese vier weitere Lehrkräfte als Ausbilder in diesem Sportbereich. Holzboote wie "Delphin" gibt es immer noch, jedoch werden heutige, ultraleichte Kohlefaser-Vierer auf Namen wie "Winner" und "SUXX-S" getauft. Ihre Mannschaften haben jedoch dasselbe Ziel; nämlich immer eine Daumenbreite voraus sein.

Wenn im Jahr 2004 das Schülerrudern am Domgymnasium die Vollendung seines 70. Lebensjahrs feiert, werden ganze Schülergenerationen mit Dank auf diese ereignisreiche Phase ihres Ruderlebens zurückblicken können.