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Vom kurzen Leben des Schülers Ölmann

Er war ein ruhiger Schüler, nicht besonders begabt, und doch blieb er in Erinnerung

Seit einigen Jahren werden zur Entlassungsfeier die goldenen Abiturienten eingeladen. Im letzten Jahr brachten die Gäste ihren ehemaligen Lehrer mit, den langjährigen stv. Direktor Wilhelm Meineke (l.), besser bekannt als "Onkel Willi".

Seit einigen Jahren werden zur Entlassungsfeier die goldenen Abiturienten eingeladen. Im letzten Jahr brachten die Gäste ihren ehemaligen Lehrer mit, den langjährigen stv. Direktor Wilhelm Meineke (l.), besser bekannt als "Onkel Willi".

Selbstverständlich ist es so, dass an einer alten Schule auch die Tradition der Schulstreiche gepflegt wird. Es soll daher berichtet werden von einem Geschichtchen aus dem Jahre 1955, dem Geschichtchen von Ölmann:

Sein geistiger Vater war der Schüler der 10. Klasse, der Sekundaner Heiner Hoffmann. Das Domgymnasium hatte zu damaliger Zeit einen Chemielehrer, der von seinen Schülern liebevoll Ali genannt wurde. Ali, ein guter Lehrer, bei seinen Schülern beliebt, hatte eine Schwäche: Sein Gedächtnis ließ ihn mitunter im Stich. Da er nur die Fächer Chemie und Physik unterrichtete, kannte er die Schüler kaum und war ganz auf sein Notizbuch, den "Kunzekalender", angewiesen. Beim Aufbau seiner Experimente ließ er sich von Schülern helfen. Bei einer solchen Hilfestellung nahm der Sekundaner Heiner Hoffmann behutsam - ein Taschendieb hätte es nicht geschickter anstellen können - den Kunzekalender aus der Jackentasche seines Lehrers. Darin trug er den Namen Ölmann, dahinter die Note "4" ein und steckte das so bereicherte Notizbuch wieder zurück. Dies war der Zeugungsvorgang.

Ali fiel auf, dass für Ölmann nur eine Zensur in seinem Notizbuch eingetragen war, während seine Mitschüler schon mehrere Noten hatten. Er nahm ihn daher ran und der Schüler Fock Bammann meldete sich als Ölmann. Mit dessen Antwort, dem ersten Laut im Sinne des 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches, war Ölmann geboren. Weil sein zweites Ich, Fock Bammann, zu den physikalischen Grundsatzproblemen nichts zu sagen hatte, kassierte er als Ölmann eine "5".

Im Allgemeinen war Ölmann unauffällig und ruhig, doch einmal rief während des Unterrichts ein Mitschüler laut aus Übermut: "Ölmann, lass das!" Als der Lehrer daraufhin nicht reagierte, rief er lauter: "Ölmann, lass das endlich!" Empört rief Ali: "Ölmann, stehen Sie auf!" Es erhob sich ein anderer Schüler und ließ die Strafpredigt des Lehrers über sich ergehen. Es erfolgte eine Eintragung wegen Störung des Unterrichts im Klassenbuch. Als später einmal Ölmann aufgerufen wurde, meldete sich niemand. Fock Bammann, der ihn sonst zu vertreten pflegte, fehlte, und damit sein zweites Ich. Auf die Frage des Lehrers, wo er sei, hieß es: "Nicht da."

Als sich das Fehlen im Laufe der Zeit wiederholte, wurde Ölmann wegen wiederholten Fehlens ins Klassenbuch eingetragen. Bei einer Revision der Klassenbücher fielen dem Direktor die vielen Eintragungen über Ölmann auf. Als er ihn rufen ließ, erschien kein Ölmann. Mit Hilfe des stellvertretenden Direktors gelang es dann bald, den Schwindel zu enttarnen. Am nächsten Tage erschien am Schwarzen Brett der Schule eine Todesanzeige. "Heute verschied unser lieber Klassenkamerad Ölmann." In der großen Pause wurde auf dem Schulhof die Trauerfeier gehalten, der Mitschüler Enno von Pritzbuer hielt die Trauerrede.

Ob Ölmann wirklich gestorben ist? Vielleicht gibt es bald eine Antwort auf diese Frage. Jedes Jahr sind die "goldenen Abiturienten" zur Entlassungsfeier eingeladen - das heißt, 2005 ist der Jahrgang von Ölmann an der Reihe...

Verein der Ehemaligen

Im Jahre 1928 gründeten ehemalige Domgymnasiasten einen Verein, um der Schule in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu helfen. Heute unterstützt der "Verein ehemaliger Domgymnasiasten" die Schule vor allem bei Anschaffungen im kulturellen und sportlichen Bereich und organisiert Klassen- und Jahrgangstreffen.